Cyanos


Es handelt sich bei den Cyanobelägen um Bakterienbeläge, oft auch als Schmieralgen oder Blaualgen bezeichnet. Sie sind wohl in jedem Meerwasseraquarium latent vorhanden, nur sind die Bedingungen nicht immer so, dass sie sich unkontrolliert vermehren können. Es gibt verschiedene Varianten in unterschiedlichsten Farbvarianten. Typisch sind die vielen Sauerstoffbläschen, die sich in den Belägen bilden. Ist der Auftrieb groß genug, lösen sich die Beläge in Fetzen ab und treiben nach oben. Die Optik eines Beckens kann dadurch extrem leiden wie auch sessile Tiere, die von umhertreibenden Fetzen belegt werden und diese nicht loswerden können. Schwache, angeschlagene Korallen können sich oft nicht gegen die Bakterien wehren und sterben ab, Gesunden Korallen wird dies normalerweise nicht passieren, eine Ausnahme sind Gorgonien. Diese werden oftmals von den Belägen überzogen und sterben ab, wenn man sie nicht regelmäßig davon befreit. Bruchstellen bei Steinkorallen werden ebenfalls schnell befallen, bevor sie von neuem Gewebe überzogen werden können und verheilen dann sehr schlecht oder gar nicht mehr. Auch gesunde Korallen, an denen sich die Fetzen verfangen, sollte man von diesen befreien.

Bekämpfung:

Als mich die Plage vor anderthalb Jahren heimsuchte versuchte ich sie mit dem abschalten des Abschäumers zu bekämpfen. Ich hatte NO3 und PO4-Werte nahe 0, das die Vermutung aufkommen lies, dass es sich um die oft so bezeichnete "Reinstwasserform" handelt, die besonders gut unter nährstoffarmen Bedingungen gedeiht. Da mein Riffbecken mit sehr viel Lebendgestein betrieben wird, reichte das Abschalten des Abschäumers nicht aus, um die Werte nach oben zu bringen. Also dosierte ich vorsichtig Calziumnitrat und Phosphat hinzu, brachte die Werte auf 5 mg/l NO3 und 0,1 mg/l PO4. Siehe da, es dauerte ein Wenig, und die Beläge verschwanden wieder. Während dessen wurden die Beläge nicht abgesaugt, die abends stark mit Fetzen zugezogene Oberfläche wurde mit einem feinmaschigen Kescher einigermaßen freigehalten. Generell wird ein Absaugen aber sicher nicht schaden, denn wenn bestimmte Stoffkonzentrationen für die Beläge verantwortlich sind, entfernt man diese somit nach und nach aus dem Kreislauf (wobei ja nicht ausgeschlossen ist, dass sie wieder unbewusst zugeführt werden).

Der Artenreichtum dieser Bakterien macht die Bekämpfung umso schwerer, so dass es praktisch keine allgemeingültigen Rezepte zur Bekämpfung gibt. Selbst die als letzte Möglichkeit anzusehende Chemiekeule (z.B. Anti Red) wirkt keinesfalls immer! Wenn man ein sehr nährstoffarmes Milieu im Becken hat, könnte die oben beschriebene Methode zum Erfolg führen. Auch berichten manche, dass Aminosäurepräparate sofort Cyanobeläge hervorrufen, bei anderen sind es bestimmte Spurenelementemischungen. Das verdeutlicht mal wieder, wie unterschiedlich die Aquarienmillieus aufgebaut sind. Hier hilft also nur herumexperimentieren und eine Millieuveränderung herbeizuführen, um ihnen das Leben möglichst schwer zu machen. Manch einer ist auch mit der Installation eines zusätzlichen Reinstwasserfilters (Ionentauscher) die Plage los geworden.

Oft verschwinden die Cyanos auch ganz von selbst, manchmal so schnell wie sie gekommen sind. Also: Nicht aufgeben!


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